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Lebensweise und Ökologie des Wolfs

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(© Heiko Anders)
Rudel Wölfe im Wasser
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(© Heiko Anders)
Welpen spielen im Wasser
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(© Heiko Anders)
Spielende Wölfe im Wasser
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(© Ralph Frank)

Eine Fähe, die ihren Wurf säugt. Aufnahme stammt aus einem Gehege.

Wolf säugt Wlpen

Wölfe waren, ebenso wie Luchs und Bär, seit jeher ein Bestandteil der natürlichen Umwelt in Mitteleuropa. Seit nun über 20 Jahren sind Wölfe wieder in Sachsen beheimatet. Es war seitdem möglich weitere Erkenntnisse über das Leben und das Verhalten der sächischen Wölfe zu erlangen. Im Folgenden werden wichtige Fragen zur Lebensweise und Ökologie des Wolfes in Kurzform beantwortet.

Das Wolfsrudel ist eine Kleinfamilie. Es besteht aus dem Elternpaar, das meist auf Lebenszeit verbunden ist, den Welpen und den Jungtieren aus dem Vorjahr (Jährlinge). Die Größe des Rudels schwankt im Jahresverlauf meist zwischen fünf und zehn Wölfen. Die Paarungszeit liegt im Februar und März. Nach einer Tragzeit von etwa zwei Monaten bringt die Fähe Ende April oder im Mai im Durchschnittvier bis sechs Welpen in einer Wurfhöhle zur Welt. Die noch blinden Welpen werden von der Fähe in den ersten vier bis sechs Wochen gesäugt. In dieser Zeit bleiben die Wölfe im engeren Umkreis der Wurfhöhle. Im Alter von acht bis zehn Wochen können die Welpen dann schon für mehrere Stunden allein gelassen werden, wenn die Eltern zur Jagd gehen. Ein Jährling bleibt dann oft zurück, um die Welpen zu beaufsichtigen.

Die erwachsenen Wölfe eines Rudels geben ihre Erfahrungen an die Jungtiere weiter. Dabei werden die Eltern oft von den Jährlingen unterstützt. Wenn die Jagd erfolgreich war, würgen die erwachsenen Tiere Fleischbrocken hervor oder sie bringen ganze Teile ihrer Beute zu dem Ort, an dem die Welpen auf sie warten (am sogenannten Rendezvouz-Platz). Die Jährlinge werden dann zunehmend selbstständiger und unternehmen Ausflüge - innerhalb und außerhalb des elterlichen Reviers. Im Alter von ein bis zwei Jahren wandern sie meist endgültig ab, um ein eigenes Rudel zu gründen.

© Ralph Frank

Eine oft erwähnte Rangfolge mit den »Alphatieren« und einem »Omegawolf« am unteren Ende der Hierarchie existiert unter natürlichen Bedingungen nicht. Sie entsteht nur, wenn mehrere geschlechtsreife Tiere entgegen ihrem natürlichen Verhalten im Gehege gehalten werden und zur Nahrungsbeschaffung auf den Menschen angewiesen sind. Um die dabei entstehenden Spannungen um die »Beute« zu minimieren, bilden sich feste Rangordnungen aus.

Ein Wolfsterritorium muss so groß sein, dass die Elterntiere jedes Jahr genug Beute machen können, um ihren Nach­wuchs großzuziehen. Je weniger Beutetiere in einer Region leben, desto größer muss das Gebiet sein, in dem das Wolfsrudel zu Hause ist. In Deutschland liegen die Reviergrößen bei rund 200 km², in Mitteleuropa oft zwischen 100 und 350 Quadratkilometern (zum Vergleich: der Nationalpark Sächsische Schweiz hat eine Größe von 93,5 km², das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide von 70 km²). In Gebieten mit sehr geringer Beutetierdichte wie z.B. in Nordsibirien und Nordkanada sind Territorien von über 1.000 km2 nachgewiesen.

Die Jungwölfe aus dem elterlichen Ter­ritorium ziehen auf der Suche nach einem Partner in der Regel mit Erreichen der Ge­schlechtsreife in Ihrem zweiten Lebensjahr davon. Da andererseits jedes Jahr neue Welpen geboren werden, bleibt die Anzahl der Wölfe in einem Territorium relativ kons­tant.

Abwandernde Jungwölfe legen auf der Suche nach einem eigenen Partner und Revier nicht selten Strecken von mehreren hundert Kilometern zurück.

Ein erwachsener Wolf benötigt täglich etwa 2 bis 3kg Fleisch. Er kann bis zu 11 kg Nahrung auf einmal aufnehmen, aber auch zwei Wochen hungern.

Seine natürliche Nahrung besteht aus wildlebenden Huftieren. Die Hauptbeutetiere in Europa sind Rothirsch, Wildschwein, Reh, Elch, Rentier. Auch Kleinsäuger, Aas und Früchte sind Bestandteile der Wolfsnahrung.

Der Wolf bevorzugt Jungtiere sowie weniger wehrhafte, alte, schwache oder kranke Beutetiere, die besonders leicht zu fangen sind, und die am effektivsten gejagt werden können. Er ist bzgl. Nahrung sehr anpassungsfähig. Je nach Verfügbarkeit und Erreichbarkeit kann die Zusammensetzung des Speiseplans saisonale oder jährliche Schwankungen aufweisen. So ergänzt der Wolf im Herbst manchmal seine Ernährung mit pflanzlicher Kost wie Obst und Früchte.

Wenn der Mensch die Lebensräume der Beutetiere des Wolfes zerstört oder die Beutetierbeständedurch durch die Jagd zu stark dezimiert, fehlen diesem seine natürlichen Nahrungsquellen. Dann muss er Alternativen finden - in dieser Situation kann der Wolf auch ungeschützte Haustiere anfallen oder er sucht in Abfällen nach möglicher Nahrung.

 

Das Vorkommen von Wölfen kann vielfältige Auswirkungen auf die Entwicklung von Wildbeständen haben - auf Anzahl, Zusammensetzung und Zustand der Wildtiere. Das Wolfsvorkommen und die Wolfsdichte werden wiederum durch die Verfügbarkeit der Beutetiere beeinflusst.

Die Bejagung durch Wölfe kann bspw. eine Abnahme der Beutetier-Population herbeiführen, insbesondere wenn die Nahrung für diese bereits knapp war. Untersuchungen haben aber belegt, dass ein Zuwachs in der Raubtierpopulation nicht zwangsläufig auch die Anzahl ihrer Beutetiere reduziert. Diese stehen in einer dynamischen Wechselbeziehung zueinander (sog. Räuber-Beute-Beziehungen), Um Einflüsse von Wölfen auf ihre Beutetiere zu bewerten, sind langjährig angelegte Feldstudien nötig.

© Heiko Anders

Schließlich spielt auch der Mensch in diesem Beziehungsgeflecht eine wichtige Rolle. Eine Studie über die Wölfe in der Oberlausitz (Wotschikowsky, 2005) ergab, dass bei Rot- und Schwarzwild zu 90 Prozent der menschliche Jäger den Tod verursacht hatte, und nur zu 10 Prozent der Wolf. Bei Rehwild betrug das Verhältnis 60 zu 40, so dass auch hier der Mensch überwiegend für den Tod der Wildtiere verantwortlich war.

Zum Einfluss des Wolfes auf die sächsischen Wälder gibt es bislang keine umfassenden Studien. Ein Rudel Wölfe erbeutet im Jahresverlauf eine beträchtliche Anzahl von Tieren. Folgende Aussage erscheint daher naheliegend:

«Wo der Wolf jagd, wächst der Wald.»

Aber stimmt das? Den Effekt, dass Raubtiere einen indirekten Einfluss auf Gehölze und Vegetation haben können, beschreibt man als sogenannte «Trophische Kaskade». Diese Effekte wurden bereits in den Vereinigten Staaten von Amerika nachgewiesen. Dort, wo der Wolf wieder heimisch wurde (z. B. im Yellowstone oder der Isle Royale) und den Bestand an Weißwedelhirschen regulierte, wurden verschiedene Weichlaubgehölze, wie Pappel oder Weide, wieder häufiger (Petersen et al., 2014; Beyer et al. 2007). Auch im Calanda-Gebirgsmassiv in der Schweiz wurden solche Effekte beschrieben (Beeli F., 2017).

Rotwild sichert die Umgebung.  © Heiko Anders

Allerdings stimmt das obige Zitat in dieser Absolutheit nicht. Denn zum Teil kommt es nur zu einer Verlagerung des Wildverbisses in Gebiete, wo die Wölfe weniger aktiv sind. So kann in der Kernzone eines Wolfsrudels die Verbissintensität abnehmen, sich dafür aber in einem anderen Bereich (z. B. Wintereinstand) erhöhen. Die Beutetiere stellen sich auf die Räuber ein, sie müssen häufiger ihre Umgebung sichern und weniger vorhersehbar werden. Sie verteilen sich also über die Fläche. Daher gibt es schon innerhalb eines Rudelterritoriums zum Teil sehr unterschiedliche Beobachtungen, die sich auch in den Erfahrungen der Jägerschaft wiederspiegeln.

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