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Schadensstatistik

Auf dieser Seite veröffentlicht die Fachstelle Wolf regelmäßig Informationen zum Rissgeschehen in Sachsen. Vereinzelt kann es auch im Nachhinein zu Anpassungen in den Statistiken kommen. Dies kann vorkommen, wenn neue Erkenntnisse zu einem Fall vorliegen (z. B. Ergebnis Genetik oder Untersuchungsbericht der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen). Fälle, bei denen zusätzliche Untersuchungen abgewartet werden oder weitere Fachexpertise eingeholt wird, sind in der Statistik mit der Kennzeichnung „in Bearbeitung“ versehen.

Seitdem die Wölfe vor über 20 Jahren wieder in Deutschland sesshaft wurden, hat sich deren Zahl stetig erhöht. Mit der Ausbreitung der Wölfe nahmen auch die Schadereignisse an Haus- und Nutztieren zu (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Entwicklung Haus- und Nutztierschäden von 2002 - 2019 

Die Oberlausitz (Landkreise Bautzen und Görlitz) ist die am dichtesten mit Wölfen besiedelte Region in Sachsen. Die Frage, wie häufig es zu Übergriffen auf Weidetiere kommt, ist aber nicht zwingend von der Höhe des Wolfsbestandes in einer Region abhängig. Ein einzelner Wolf kann unter bestimmten Umständen größere Schäden verursachen als ein Rudel. Dies hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, wie dem Beutetierangebot oder den Traditionen der Nutztierhaltung einer Region. Vor allem die vorhandenen Schutzmaßnahmen können entscheidend sein, wie häufig es zu Übergriffen auf Weidetiere kommt. Stößt ein Wolf auf seinen Streifzügen auf unzureichend oder gar nicht geschützte Haus- und Nutztiere, sind diese eine leichte Beute.

Bedeutend ist auch, welche Jagdmethoden der Wolf von seinen Eltern erlernte und ob er bereits prägende Erfahrungen mit gut geschützten Nutztieren sammeln konnte. Wölfe, die immer wieder auf ungeschützte oder nicht ausreichend geschützte Nutztiere treffen, lernen sehr schnell, dass diese deutlich einfacher zu erbeuten sind als wildlebende Beutetiere. Das kann dazu führen, dass Wölfe gezielt versuchen, Nutztiere zu reißen und dabei auch empfohlene Schutzmaßnahmen überwinden.  Abb. 2 zeigt, dass die gemittelte Anzahl Schadensfälle pro Wolfsterritorium über die Jahre zwar insgesamt ansteigt, aber auch Schwankungen unterlegen ist.

Nutztierschäden in Relation
Abb. 2: Nutztierschäden durch Wolf pro Rudelterritorium zwischen 2002 - 2019. Vorläufige Anzahl der Rudelterritorien für 2019 (Stand Mai 2020). Sollten weitere Reproduktionsnachweise eingehen, kann sich diese Zahl erhöhen. 

Im ersten Halbjahr 2020 kam es besonders häufig zu Übergriffen in Regionen, in denen Wölfe sich vorübergehend aufhielten oder erst vor wenigen Jahren sesshaft geworden sind (Landkreise Mittelsachsen und Nordsachsen). Im Jahr 2019 gab es die meisten Übergriffe durch Wölfe im Landkreis Bautzen und Nordsachsen (vgl. Abb. 3).  Dieses Phänomen kennt man auch aus den vergangenen Jahren. In Regionen, in denen Wölfe gerade erst sesshaft werden bzw. geworden sind, sind einige Tierhalter noch nicht auf die Anwesenheit dieser großen Beutegreifer eingestellt. Die Schutzmaßnahmen ihrer Weidetiere sind dann manchmal noch unzureichend, um den Wolf von den Tieren fernzuhalten. Besonders Schaf- und Ziegenhalter, sowie Betreiber von Wildgattern sollten ihre Schutzmaßnahmen möglichst zeitig ausbessern, wenn diese den in Sachsen geltenden Mindestschutzkriterien nicht entsprechen. Hierbei werden sie finanziell vom Freistaat unterstützt. Mehr Informationen hierzu: Schutz von Nutztieren

Schäden Landkreis 2019
Abb. 3: Anzahl der Übergriffe auf Nutztiere im Jahr 2019 pro Landkreis 

Im Freistaat Sachsen folgt das Rissgeschehen auch einer ausgeprägten Saisonalität (vgl. Abb. 4). So zeigen die Daten der vergangenen Jahre, dass es im ersten Halbjahr zu vergleichsweise wenigen Nutztierrissen kommt. Die meisten Übergriffe auf Nutztiere ereignen sich in den Sommer- und Herbstmonaten. Dies ist in der Biologie des Wolfes begründet. Im Frühjahr und Frühsommer sind die Wölfe mit der Aufzucht der Welpen beschäftigt. Gleichzeitig gibt es eine hohe Verfügbarkeit von ihren natürlichen Beutetieren. Denn auch bei Reh-, Rot- und Schwarzwild gibt es in dieser Zeit Nachwuchs, welcher von den Wölfen besonders leicht erbeutet werden kann. Diese Entwicklung kehrt sich im Spätsommer und Herbst um. Die schnell heranwachsenden Wolfswelpen haben einen immer höheren Nahrungsbedarf während das Wild am Ende des Sommers fit und gut genährt ist und auch die Jungtiere des Schalenwildes älter und erfahrener sind. Die natürlichen Beutetiere stellen in dieser Zeit also eine vergleichsweise schwerere Beute dar als unzureichend geschützt Nutztiere.

Saisonalität Risse
Abb. 4: Jahresverlauf des Rissgeschehens 2017-2020 

Die am häufigsten von Übergriffen betroffenen Nutztierarten in Sachsen sind Schafe, Ziegen und Wild in Gattern. Eine Darstellung der prozentuellen Verteilung der geschädigten Nutztierarten im Jahr 2019 sehen Sie in Abb. 5.

Tierarten Verteilung
Abb. 5: Verteilung der durch den Wolf geschädigten Nutztiere im Jahr 2019 
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