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Übersicht Schutzmaßnahmen

Elektrozäune

Stromführende Zäune stellen einen effektiven Schutz vor Wolfsübergriffen dar, weil sie für Wölfe eine bei Berührung schmerzhafte Barriere sind. Dabei können sowohl Netzzäune oder stromführende Litzenzäune eingesetzt werden. Um den in Sachsen geltenden Mindestschutzstandards zu entsprechen müssen stromführende Zäune mindestens 90 cm hoch sein. Allerdings wird Tierhaltern, vor allem bei der Neuanschaffung, zu höheren Zäunen geraten. Die Empfehlungen gehen zu Elektrozäunen mit einer Höhe von 100 bis 120 cm.

Litzenzäune müssen aus mindestens vier stromführenden Litzen bestehen, um den Mindestschutzanforderungen zu entsprechen. Wichtig ist hierbei, dass der Abstand von der untersten Litze zum Boden bzw. zwischen den untersten drei Litzen maximal 20 cm beträgt. Ab der vierten Litze kann der Abstand zwischen den Litzen auf maximal 30 cm erhöht werden. Beispiel: 20 - 20 - 20 - 30 cm Abstand bei 4 Litzen.

 

Festzaun (nicht elektrifiziert)

Feste Umzäunungen aus Maschendraht, Knotengeflecht oder ähnlichem Material verfügen über keine aktive, abschreckende Wirkung, wie stromführende Zäune dies tun, sondern sind eine rein physische Barriere.

In Sachsen gilt für den Mindestschutz eine Höhe von mindestens 120 cm. Ein fester, bodengleicher Abschluss (Spanndraht)beimFestzaunbesonders wichtig; er muss straff gespannt und lückenlos sein.Wölfe versuchen üblicherweise zuerst unter einem Zaun hin durchzuschlüpfen bzw. zu graben bevor sie darüber springen oder klettern, da letzteres mehr Energieaufwand bedeutet.

International wird eine Höhe von 140 cm bei Festzäunen empfohlen.Das sächsische Wolfsmanagement empfiehlt den Einsatz von Festzäunen nicht, sondern rät zum Einsatz von stromführenden Zäunen die beim Wolf einen Schmerz verursachen.

 

Untergrabschutz

Feste Zäune ohne Stromführung, besonders bei Wildgattern, sollten einen Untergrabschutz haben. Grundsätzliche Voraussetzung für eine Entschädigung ist er allerdings nicht. Als Untergrabungsschutz kann z. B.ein ca. 50 cm breiter Streifen aus Knotengeflechtdraht außen vor dem Zaun flach ausgelegt werden, welcher mit Bindedraht am bestehenden Zaun verbunden und mit Erdankern am Boden fixiert wird.

Eine weitere Möglichkeit ist die Befestigung einer stromführenden Drahtlitze (mind. 4.000V) mittels Isolatoren 20 cm über dem Boden an der Außenseite desZauns. In diesem Fall muss die Vegetation entlang des Zaunes kurz gehalten werden, damit das Ableiten des Stroms verhindert wird.

Beim Neubau eines Gatters bietet sich an, den Zaun mindestens 50 cm tief in den Boden ein zu lassen.

 

Flatterband

Obwohl Wölfe körperlich in der Lage sind auch relativ hohe Zäune zu überspringen oder zu überklettern, geschieht dies selten. Sollte es Hinweise darauf geben, dass Wölfe Elektrozäune überspringen, kann der Einsatz von „Flatterband“in dieser Region erforderlich werden.

Das „Flatterband“,eine Breitbandlitze welche selbst keinen Strom führt, wird circa 30 cm über dem Zaun gespannt und solltesich leicht bewegen („flattern“) können. Somit entsteht eine optische Erhöhung des stromführenden Zaunes, wodurch das Überspringen des Zaunes durch Wölfe verhindert werden kann.

 

Lappenzaun

Als Sofortmaßnahmen bzw. zur kurzfristigen Übergangslösung können Lappenzäune für den Schutz gegen Übergriffe von Wölfen Anwendung finden. Hierbei werden an einer Schnur in maximal 50 cm Abständen Stofflappen befestigt, die um eine gefährdete Herde gespannt wird. Die herabhängenden Lappen sollten den Boden berühren bzw. maximal 20 cm Bodenabstand haben. Da sich die Lappen im Wind bewegen, stellen sie ein nicht einzuschätzendes Hindernis dar. Aufgrund der Lernfähigkeit des Wolfes sollte diese Schutzmaßnahme nur wenige Tage genutzt werden, da ansonsten eine Gewöhnung eintreten kann und die abschreckende Wirkung nachlässt.

 

Empfehlungen für Rinder- und Pferdehalter

Erwachsene Rinder und Pferde sind recht wehrhaft und innerhalb ihrer Herde einem geringeren Risiko von Wolfsangriffen ausgesetzt als Schafe oder Ziegen. Ein Angriff auf einen Herdenverband stelllt für Wölfe ein großes Risiko dar, welches nur selten eingegangen wird, z. B. wenn andere Nahrungsressourcenknapp sind. Ausnahmen sind isoliert stehende Rinderkälber oder Fohlen und einzeln gehaltene Rinder oder Pferde, die am Weglaufen gehindert werden, z. B. durch Anbindehaltung,

Besonders die Jungtiere in Mutterkuhherden sind in Gebieten mit Wolfsrudeln einem erhöhten Risiko ausgesetzt. In den ersten Tagen nach der Geburt folgt ein Kalb seiner Mutter nicht, sondern legt sich entweder auf der Weide oder etwas außerhalb in hohem Gras, unter Bäumen oder in Bodenvertiefungen ab, während die Mutterkuh über die Weide zieht und grast. Bei großen, unübersichtlichen Weideflächen sind die Muttertiere dann häufig weiter entfernt von ihren Kälbern. Wenn die Kälber sich außerhalb der Koppel ablegen sind sie ganz unerreichbar für die Muttertiere. Während der Abwesenheit ihrer Mutter sind die Kälber besonders verletztlich. Erst nach einigen Tagen oder Wochen werden die Kälber mobiler und stehen mit im relativ sicheren Herdenverband.

Aufgrund der Seltenheit von Wolfsübergriffen auf Rinder und Pferde gibt es, anders als für Schafe und Ziegen, in keinem west- und mitteleuropäischen Land speziell für Rinder- und Pferdeherden vorgeschriebene Schutzmaßnahmen. Allerdings gibt es eine Reihe von empfohlenen Maßnahmen, um die Weidesicherheit zu erhöhen.

  • In den Herden sollten immer erwachsene und erfahrene Tiere mitlaufen. Eine Herde die ausschließlich aus jungen unerfahrenen Tieren besteht, z. B. Jungrinderherde, ist verletzlicher.
  • Mutterkuhherden sollten mit mindestens zwei, besser drei Litzen eingezäunt sein, damit die Kälber sich nicht außerhalb der Weide ablegen.
  • In der Abkalbe- bzw. Fohlenzeit ist die Einrichtung besonders geschützter Weiden in Betracht zu ziehen. Dies empfiehlt sich insbesondere bei großen, waldnahen und unübersichtlichen Weideflächen in Wolfsgebieten mit einer Vielzahl an Deckungsmöglichkeiten.
  • Kompakt stehende Herden sind einem geringeren Risiko ausgetzt als weitläufig verteilte Tiere auf großen Flächen. Durch die Wahl der Weideform (z. B. Umtriebsweide) kann dies positiv beeinflusst werden.
  • Bei akuten Gefährdungslagen, beispielsweise nach einem Wolfübergriff auf ein Kalb, Jungrind oder Fohlen, ist über eine Einstallung oder die Einrichtung eines elektrisch geschützten Nachtpferchs nachzudenken.

 

Herdenschutzhund (HSH)

Eine der ältesten Schutzmethoden für Vieh ist der Einsatz von Herdenschutzhunden. Während die kleineren, agilen Hüte- und Schäferhunde die Aufgabe haben, die Schafe in die vom Schäfer gewünschte Richtung zu treiben, sind die großen und wehrhaften Herdenschutzhunde ausschließlich dafür zuständig, die Herde gegen Angreifer zu verteidigen.

Schon vor Jahrtausenden begann man Hunde zum Schutz der Nutztiere vor Raubtieren einzusetzen. Dabei entstanden spezialisierte Hunderassen, wie der Pyrenäen-Berghund in Frankreich, der Komodor und Kuvasz in Ungarn, der PolskiOwczarekPodhalanski (Tatrahund) in Polen oder der Maremann-Abruzzese  (Maremma) in Italien. In den meisten Ländern, in denen Wölfe niemals ausgerottet worden sind, ist der Einsatz von Herdenschutzhunden auch heute noch eine bevorzugte Maßnahme zum Schutz von Nutztieren. Auch in Deutschland etabliert sich diese effektive Methode wieder und einige Schäfer in Deutschland arbeiten bereits mit Herdenschutzhunden. Die Tiere stammen meist aus bewährten Arbeitslinien aus der Schweiz und Frankreich (größtenteils Pyrenäenberghund oder Maremma). In Sachsen werden Herdenschutzhunde hauptsächlich innerhalb von Elektrozaun-Koppeln eingesetzt, sie fungieren insofern als zusätzliche Abschreckung für Wölfe.

Herdenschutzhunde werden bereits im Welpenalter mit den Schafen sozialisiert und bleiben Tag und Nacht bei der Herde. Die Hunde entwickeln eine enge Bindung zu den Schafen, wodurch erst die Verteidigungsbereitschaft gegenüber allen potenziellen Feinden entsteht. Bei einer Störung oder Bedrohung, also beispielsweise einem sich nähernden Wolf, positionieren sich die Hunde zwischen ihrer Herde und dem Wolf und schlagen an. Die große Erscheinung und das Bellen der Hunde reichen im Allgemeinen schon aus, den Wolf fern zu halten. Es ist empfehlenswert, pro Herde mindestens zwei Hunde, bei größeren Herden auch drei oder mehr, einzusetzen, um den Schutz auch zu gewährleisten, wenn mehrere Wölfe angreifen und von verschiedenen Seiten versuchen an die Beute zu gelangen.

Bis die Hunde mit ca. 1,5 – 2 Jahren zuverlässig arbeiten, muss der Schäfer allerdings einen nicht zu unterschätzenden Betreuungsaufwand leisten. Die Erziehung der Herdenschutzhunde erfordert viel Kenntnis und Erfahrung, denn nur ein einwandfrei arbeitender, erwachsener Hund kann die Nutztiere effektiv schützen. Bei zu starker Beziehung zu Menschen oder zu geringer Bindung an die Herde besteht die Gefahr, dass sich die Hunde von der Herde entfernen. Schlecht sozialisierte Hunde können ihrerseits Schafe hetzen und damit die Herde beunruhigen. Erfahrene Herdenschutzhunde dagegen bieten guten Schutz vor Angriffen durch Wölfe.

Zu beachten ist:

  •     Hunde müssen als Welpen bereits mit den Nutztieren aufwachsen
  •     Hunde müssen lernen, in der Koppel zu bleiben und den Elektrozaun zu respektieren
  •     Sie dürfen die Nutztiere nicht verletzen oder jagen
  •     Einsatz von mind. 2 Hunden pro Herde, sie brauchen Sozialkontakt auch zur eigenen Art und     arbeiten als Team
  •     Der Einsatz von HSH ist in der Regel erst ab einer Herdengröße von 100 Schafen wirtschaftlich sinnvoll

In der vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie herausgegebenen Broschüre Herdenschutzhunde und sichere Einzäunung erfahren Sie mehr zum Einsatz von Herdenschutzhunden. Hinweise zum Umgang mit Herdenschutzhunden werden in der gleichnamigen Broschüre des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft veranschaulicht.

Weitere Informationen zu Herdenschutzhunden finden Sie auf den Seiten der folgenden Vereine:

Arbeitsgemeinschaft Herdenschutzhunde e.V.

Verein für arbeitende Herdenschutzhunde in Deutschland e.V.

 

Weitere Herdenschutztiere

In einigen Ländern werden zum Teil Esel oder Lamas zum Schutz von Schafherden bspw. vor Coyoten eingesetzt. Ihre Schutzwirkung gegenüber dem Wolf ist allerdings umstritten.

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